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Die Bezeichnung von Stahl: Kurznamen und Werkstoffnummern

Sie sind etwas verzweifelt im Werkstoff-Dschungel? Von Werkstoffbezeichnungen raucht Ihnen der Kopf? Dafür haben wir die nötige Theorie zusammengefasst. Neben der Kennzeichnung mit Kurznamen, können Stähle auch mittels Werkstoffnummern definiert werden. Im Folgenden geben wir eine Erklärung beider Möglichkeiten und zeigen im Detail, aus welchen Komponenten sie sich zusammensetzen.

(c) Günther + Schramm

Kennzeichnung der Stähle nach Kurznamen

Nach DIN EN 10027-1 wird bei der Bezeichnung mit Kurznamen zwischen zwei Hauptgruppen unterschieden:

  • Hauptgruppe 1: mechanische und physikalische Eigenschaften
  • Hauptgruppe 2: chemische Zusammensetzung

Hauptgruppe 1: mechanische und physikalische Eigenschaften

(c) Günther + Schramm

Stahlart                                                 Kennbuchstabe                                                       

Stahl für allg. Stahlbau                 S

Stahl für Druckbehälterbau     P

Stahl für Rohrleitungen              L

Stahl für den Maschinenbau    E

Betonstahl                                          B

Schienenstähle                                R

Für unser obiges Beispiel bedeutet das, dass es sich um einen Stahl für den allgemeinen Stahlbau handelt.

Hauptgruppe 2: chemische Zusammensetzung

Bei der Bezeichnung für Stähle in der Hauptgruppe 2 existieren unterschiedliche Formen für unlegierte, legierte und hochlegierte Stähle sowie für Schnellarbeitsstähle.

Unlegierte Stähle: Beispiel C35 E + N

(c) Günther + Schramm

Hochlegierte Stähle: Beispiel: X 5 CrNiMo 18-10 + U

Schnellarbeitsstähle:

Schnellarbeitsstähle sind legierte Werkzeugstähle, die aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung nach einer entsprechenden Wärmebehandlung eine sehr hohe Warmhärte und Anlassbeständigkeit aufweisen. Sie werden deshalb bevorzugt für die Herstellung von Zerspanungswerkzeugen verwendet, die bis zu einer Arbeitstemperatur von 600°C eingesetzt werden können. Schnellarbeitsstähle haben ein besonderes Bezeichnungssystem. Bei ihnen steht an erster Stelle die Kennzeichnung HS, gefolgt von den Masseanteilen der Legierungsbestandteile in der festen Reihenfolge Wolfram, Molybdän, Vanadium und Cobalt. Die Masseanteile der Legierungsbestandteile werden hier in ganzen gerundeten Zahlen angegeben.

Die Zusammensetzung der Werkstoffnummer von Stahl

Werkstoffnummer Stahl: A.BBCC.DE

Um Stahl eindeutig zu definieren, wurden nach DIN EN 10027-2 sogenannte Werkstoffnummern festgelegt. Die 5-7-stellige Nummer gibt Auskunft über folgende Kategorien:

A:

Die Position A steht für die Werkstoffhauptgruppe:

0 – Eisen

1 – Stahl

2 – Nichteisen-Schwermetalle

3 – Leichtmetalle

4 bis 8 – Nichtmetallische Werkstoffe

9 – nicht gängige oder zugeordnete, interne Verwendung

(Quelle: Vgl. chemie.de)

BB:

Die nächsten zwei Zahlen bilden die Sortenklasse des Stahls bzw. die Stahlgruppennummer. Sie reicht von 00 bis 99 und teilt den Werkstoff der Hauptgruppe nach Eigenschaften ein.

Wenn beispielsweise die Hauptgruppe 0 (Eisen) als erste Ziffer der Werkstoffnummer enthalten ist, so ergeben sich folgende Sorten:

00...19: Roheisen
20...49: Vorlegierung, Sonderroheisen
60...69: Gusseisen, Lamellengrafit
70...79: Gusseisen, Kugelgrafit
80...89: Temperguss
90...99: Sondergusseisen

CC:

Im Gegensatz zu den vorangehenden Zahlen geben die Zählnummern keine neuen Informationen über den Werkstoff. Sie stehen in Klammern und müssen nachgeschlagen werden. Sind sie aber Teil der Werkstoffnummer, so reichen sie von 00-99.

D:

Die Nummern in den Positionen sind D und E werden oft sogenannte erweiterte Zählnummern. Wenn sie nicht berücksichtigt werden, ist die Werkstoffnummer 5- statt 7-stellig.

Sind D und E Gegenstand der Nummer, gibt D für die Hauptgruppe 1 Auskunft über das Gewinnungsverfahren von Stahl:

0 = nicht näher definiert, bedeutungslos
1 = unberuhigter Thomasstahl
2 = beruhigter Thomasstahl
3 = unberuhigt, andere Erschmelzungsart
4 = beruhigt, andere Erschmelzungsart
5 = unberuhigter Siemens-Martin-Stahl
6 = beruhigter Siemens-Martin-Stahl
7 = unberuhigter Sauerstoffaufblas-Stahl
8 = beruhigter Sauerstoffaufblas-Stahl
9 = Elektrostahl

Handelt es sich um ein Nichteisen-Schwermetall (Hauptgruppe 2 und 3), gibt die 6. Stelle der Nummer Informationen über die Zustandsgruppe:

0 = unbehandelt
1 = weich
2 = kaltverfestigt durch Zwischenhärten
3 = kaltverfestigt durch anderes Verfahren
4 = lösungsgeglüht
5 = lösungsgeglüht, kalte Nachbearbeitung
6 = warmausgehärtet, keine Nachbearbeitung
7 = warmausgehärtet, kalte Nachbearbeitung
8 = entspannt, ohne vorherige Kaltverfestigung
9 = sonderbehandelt
 (Quelle: technikermathe.de)

E:

In der Werkstoffnummer von Stahl spiegelt sich in der letzten Kennzahl E der Behandlungszustand wider:

0 = unbehandelt
1 = normalgeglüht
2 = weichgeglüht
3 = warmbehandelt
4 = zähvergütet
5 = vergütet
6 = kaltvergütet
7 = kaltverfestigt
8 = kaltverfestigt, Federhärte
9 = sonderbehandelt
(Quelle: technikermathe.de)

In diesem Artikel erfahrt Sie mehr über die (Wärme-) Behandlungen von Stahl.

Die Europäische Stahlregistratur

„Die Europäische Stahlregistratur ist gemäß DIN EN 10027-2 für die Vergabe und Verwaltung der Werkstoffnummern für Stähle zuständig. D.h. sie vergibt Werkstoffnummern für Stahlsorten mit kommerzieller Bedeutung, die in Europäischen Normen aufgeführt sind oder die (noch) nicht genormt sind und von europäischen Herstellern gemeldet wurden und veröffentlicht alle registrierten Stähle in angemessenen Zeitabständen im Internet.“ (Quelle: vdeh)

In der Stahl-Eisen-Liste, dem Handbuch der Europäischen Stahlregistratur, sind neben den Kurznamen aller europäisch genormten und europaweit der EStR gemeldeten Stahlsorten auch die Werkstoffnummern europäischer Stähle und einiger NE-Legierungen zu finden. Damit sollen Kunden und Lieferwerke zusammengebracht und eine Darstellung des Lieferprogramms aller Stahlsorten europäischer Stahlhersteller gegeben werden.  



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